Sonntag, 24. Juli 2005
 
Als sich Spammer noch Mühe gaben
Ich gebs zu, ich habe sie ernst genommen. Am 26. Oktober 1998, zu einer Zeit, also ich glaubt, daß das Internet alles könne, als eine Spammail pro Tag schon viel war und nur diejenigen betraf, die fleißig an diversen Newsgroups teilnahmen erwartete mich folgende Mail in meiner kleinen feinen Mailbox:

Mit Herzklopfen.....


Hallo Unbekannter ?,
ich möchte Dir schon seit längerer Zeit mailen, aber irgendwie fehlte
mir immer der Mut, aber jetzt siegt
doch die Neugierde....
Wenn das stimmt, was mir eine Chat- Freundin über Dich erzählt hat,
dann wirst Du Dich nach meinen Zeilen
bei mir melden und bist mir sicher nicht böse wegen meiner
"Dreistigkeit" !? .. :-)
Aber wie fange ich am besten an, was erzähle ich, ich möchte ja nicht
das Du irgendwie den falschen
Eindruck von mir bekommst, das wäre schade.
Ich habe durch die Erzählungen das Gefühl das wir auf einer
gemeinsamen Wellenlänge wandeln, was ich
selten erlebe. Ich denke das betrifft Interessen und Einstellungen
welche das Leben und Gefühle
definieren. Zumindest in Grundzügen bewegen wir uns ganz si
Aber bevor ich hier meine Ansichten niederschreibe, was sicher Stunden
dauern würde, werde ich erstmal
abwarten, ob Deinerseits überhaupt Interesse besteht ? Ich würde mich
gerne mal mit Dir unterhalten, sehrgerne sogar.
Wenn Du also Interesse hast dann melde Dich bitte mal, ein kurzes
"Hallo" reicht mir vollkommen, denn ich
das Leben besteht ja nicht nur aus Träumen, oder ?
Du erreichst mich momentan unter Natascha1976 @ gmx.de, aber sei bitte
nicht böse, wenn ich nicht sofort
antworte, denn ich bin selber immer heilefroh, wenn ich das mit den
eMaisl auf die Reihe bekomme.
Ich würde Dir ja auch gerne ein Foto schicken wenn Du das möchtest,
und wenn Du magst, dann schick mir
doch auch eine, ja ?
Dann freue ich mich schon mal auf Deine Antwort, ich hoffe ich
enttäusche Dich nicht..
Bis nachher ?
Deine Natascha (Nati)
Naiv, ungläubig und überrascht tat ich das was ich auch im wahren Leben getan hätte: Ich stotterte mir eine Antwort zusammen. Doch zum Glück hat man im Internet die Möglichkeit, seinen geistigen Ausstoß nochmal zu überarbeiten und so ging nach einem dreimaligen korrekturgelesen eine Antwort auf den Weg zur unbekannten Absenderin, die niemals ein Ziel erreichen sollte: Die Postbox der guten Dame war voll - fast eine Unmöglichkeit im prä- DSL- Zeitalter aber sicher typisch Frau: eben von Technik keine Ahnung. Dann schicken wir sie morgen nochmal.
Doch auch da kam sie zurück, und irgendwann um die Mittagszeit traf auch der scheinbare Grund dafür ein:

Tut mir leid...


Hallo nochmals,
ich hoffe ich nerve nicht, aber mein Postfach im GMX funktioniert
nicht, ich weiß auch nicht warum.
Jetzt weiß ich natürlich immer noch nicht, ob Du Interesse an einem
Kaffee hast oder nicht, ich denke mir
aber,
daß Du genausoviele Fragen hast wie ich, mindestens.
Wenn Du möchtest, dann kannst Du mir eine Nachricht im T-Online
hinterlassen, ich habe da noch eine Box
im *rom#, da kannst Du mir unter dem Namen Natascha auch eine mail
hinterlassen, denn der Gastzugang hier
im AOL ist bestimmt auch bald aufgebraucht.
Ich will mal hoffen, das es nun endlich klappt, ich habe ein viel zu
gutes Gefühl um einfach aufzugeben.
Bis bald (hoffentlich!)
Deine Nati
Versteckt zwischen den Zeilen kann man auch den wahren Grund ausmachen: ein kostenpflichtiges Flirtsystem bei einem größeren deutschen Onlinedienst. Dummerweise (für den Urheber dieser Mails) hatte ich keinen Zugang zu ebendiesem Provider, so daß ich erst eine Woche später in mehreren Newsgroups darauf stieß, was es wirklich mit der ganzen Sache auf sich hatte. Trotzdem blieb ein Schmunzeln zurück - ich habe, auf eine, noch als angenehm zu bezeichnende Art und Weise, gelernt, daß man nicht jeder Mail trauen kann die man so geschickt bekommt.

Natürlich erging es nicht jedem so. Ein Bekannter schaffte es zwei Jahre später, mithilfe eines 'kostenlosen Zugangstools' für eine Online- Flirtseite, eine vierstellige Telefonrechnung zu produzieren. und ich weiß nicht, wieviele Freunde und Arbeitskollegen mir ernsthaft die Emails bezüglich Bill Gates verschenkt Geld bzw. Handys zu verschenken weiterleiteten, in der ehrlichen Hoffnung, sich selbst und mir etwas Gutes zu tun, ganz zu schweigen von der Warnung vor dem oberbösen Computervirus oder dem armen, todkranken Kind, das sich doch nichts sehnlicher wünscht als daß seine Mail um die Welt geht - Neben Spammern hatten sich inzwischen auch sog. Hoaxes breitgemacht, zynische, auf die Naivität der Benutzer ausgelegte, schlechte Scherze, einige gibt es heute noch - von solchen Dummheiten ganz zu schweigen - na immerhin wurde er von seiner Liebsten wegen der Aktion auch mal heftig angezickt.
Die neueste Welle nennt sich Phishing, und hier hat man es direkt auf das Eingemachte abgesehen: Die Zugangsdaten fürs Onlinebanken. Phishingmails überschwemmen die Postkästen landauf landab.
Aber vielleicht sollte man bei der ganzen Flut nicht die Urgroväter von Spam, Hoax und Phishing vergessen - die Nigeria Connection:
Schon sie bot alles, was man auch heute noch benutzt um den unbedarften Empfänger dazu zu verleiten, etwas Dummes zu tun: Herzschmerz, Aussicht auf viel Gewinn und natürlich am Ende die Abzocke.
Die ersten dieser Angebote tauchten anno 1988 per Fax auf, werden heute aber natürlich ebenfalls per Email übertragen.
 
Von: ericpp um 22:34hhistorykommentieren

 
das warn noch zeiten..... *g* das erschreckende is, wenn ich dran denke, daß ich selber schon eine ganz ähnliche mail verbrochen habe, allerdings war die kein spam, sondern voll echt und mein ganzes herzchen steckte darin ;-)
 
 
Echt? Da möchte ich gerne mehr drüber wissen bevor ich ein vernichtendes Urteil fälle Absolution erteilen kann.

Edit: Mails voller Herzblut habe ich später auch noch verschickt. Später, als es auch echte Frauen im Netz gab, welche mit denen man schreiben durfte ohne das kostenlose Zugangstool zu benutzen...
 
 
das glaub ich, daß du da gern mehr drüber wissen würdest *g*

und übrigens, es gibt keine echten frauen im netz. wir sind alle fakes.
 
 
echte Frazen? Oder nur sich als Frauen ausgebende Männer ...?
 
 
Okay, ich vergaß mich vorzustellen: Ich bin der erste und einzige im Internet verfügbare Ramontiker - Verzeiht meine Abkömmlichkeit, aber ich geh mal kurz sterben...